Jo Freeman: Die Tyrannei in strukturlosen Gruppen

Erstmals vollständig in deutscher Sprache erschienen.

Jo Freeman ist eine US-amerikanische Feministin, Politikwissenschaftlerin und Anwältin. Als Studentin war sie in den 1960er Jahren in der Bürgerrechtsbewegung aktiv und wurde eine der frühen Organisatorinnen der Neuen Frauenbewegung. Sie ist Autorin einer Vielzahl von Aufsätzen und Artikeln. Nach ihrer Promotion als Politikwissenschaftlerin 1973 und mehrjähriger Lehrtätigkeit an der New York State University absolvierte sie ein Studium der Rechtswissenschaften und war ab 1983 als niedergelassene Anwältin in der Beratung und Vertretung von Pro-Choice-Aktivistinnen (für selbstbestimmte Schwangerschaft) und Frauen, die für öffentliche Ämter kandidierten, tätig. Wer des Englischen mächtig ist, sollte unbedingt mehr als einen Blick auf ihre Homepage www.jofreeman.com werfen; dort finden sich neben ihrem umfangreichen neueren Werk auch die unter dem Namen Joreen erschienen Artikel sowie eine von Jennifer Scanlon verfasste Biografie.

„The Tyranny of Structurelessness“ wurde zum Klassiker; er ist unzählige Male in den verschiedensten Sprachen veröffentlicht worden. Die Zeitschrift Graswurzelrevolution schrieb 1990: „Der Text wurde in den 70er Jahren in vielen Bewegungen diskutiert und dürfte auch heute aktuell sein: ob bei den Autonomen auf den Libertären Tagen 1987 oder bei der Frage, warum Alice Schwarzer immer noch als Sprecherin der Frauenbewegung angesehen wird, obwohl sie nie dazu bestimmt wurde, geht es letztlich immer um die Organisationsfrage unter libertären Gesichtspunkten.“

Diese Ausgabe folgt der deutschen Übersetzung in der Zeitschrift Schwarze Protokolle Nr.8 vom April 1974. Fehlende Absätze wurden neu übersetzt und eingefügt. Damit liegt (unseres Wissens) erstmals eine vollständige Fassung in deutscher Sprache vor. Der Verlag dankt Jo Freeman für die freundliche Genehmigung zur Neuveröffentlichung.

Textauszug:
„Das Streben nach einer strukturlosen Gruppe ist also ebenso nützlich und ebenso trügerisch,wie das nach einem „objektiven“ Zeitungsbericht, nach „wertfreier“ Sozialwissenschaft oder einer „wertfreien“ Ökonomie. Eine „laissez faire“-Gruppe ist ungefähr so realistisch wie eine „laissez faire“-Gesellschaft; die Idee wird zu einem Nebelschleier, hinter dem die Starken oder Glücklichen unbefragt ihre Vorherrschaft über andere etablieren. Diese Vorherrschaft kann mit großer Leichtigkeit errichtet werden, denn die Idee der „Strukturlosigkeit“ verhindert nur die Bildung einer formalen Struktur, nicht die einer informellen.“

Broschüre
24 Seiten, € 1,50

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https://www.syndikat-a.de/index.php?article_id=2&cat=3923&prod=3566

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